Ich beschäftige mich nun seit fast 40 Jahren intensiv mit Malerei. Auf die anfänglich recht begrenzten Mittel Bleistift, Buntstift, Malkasten folgten über die Jahre alle möglichen Erprobungen und Untersuchungen in allen erdenklichen Malmaterialien: Kreidefarbe, Eitempera, Tusche, Dispersion, Acryl, Öl, Collage, Alkydharz, Aquarell, Lack, Spray, etc.. Jedes Material bietet andere Möglichkeiten und neue Grenzen.
Mein Interesse geht dabei immer dahin, die Grenzen auszuloten: die Grenzen des Materials, die Grenzen der Kunstgeschichte, die Grenze des „guten Geschmacks“, die Grenzlinie zwischen Natur und Abstraktion, – einfache Gratwanderungen, aufregende Unsicherheiten.
Ein Bild muss mich in der Entstehung – aber erst recht, wenn es „fertig“ sein soll – selbst provozieren, damit ich mich nicht langweilt. Nicht eine Provokation um der Provokation Willen, sondern um mich und den Betrachter zum Innehalten und zum Zweifeln zu verführen:
Ist das schon/noch ein Bild?
Ist das eine Ikone oder ein Icon?
flächiges Gewebe oder räumliches Gestrüpp?
Vorne – hinten, innen – außen, konvex – konkav, bleiben die zeitübergreifenden Fragen der Malerei, der Optik, der Physik, der Kunstgeschichte!?
Für den Schauspieler ist eine der schwierigsten Übungen „normal“ zu gehen, einfach einmal quer über die Bühne, ohne dass es nach „gespieltem Gehen“ ausschaut.
Für den Maler ist der Pinselstrich die Herausforderung: er ist schnell mal ein Ast, eine Schlange, ein Unterarm oder gar die Begrenzungslinie zwischen Himmel und Erde; der naturalistischste Pinselstrich aber wäre der, der einen Pinselstrich darstellt – und der schwierigste!
Bilder zu entwickeln, die Bilder an sich sind – nichts anderes – und doch das Verständnis für das gewohnte Bild durch ein ungekünsteltes malerisches Voranschreiten, egal mit welchen Mitteln, in Frage zu stellen, das ist die Herausforderu
